Geschichtsatelier Elvira Geschichts-Atelier Elvira
Pionierinnen* der Frauenbewegung in München
Verein für Fraueninteressen e.V.

Clementine Edmunda Christiane von Braunmühl

Persönliche Daten

Name: Braunmühl
Vorname: Clementine Edmunda Christiane von
Religion bei Geburt: katholisch
Geburtstag: 23.11.1833
Geburtsort: Babenhausen
Todestag: 09.11.1918
Sterbeort: München
Ausbildung
Beruf/Erwerb:
  • 1839-1847 Volks- und höhere Töchter Schule
  • 1847 privater Zeichenunterricht in Babenhausen
  • 1861 privater Zeichenunterricht in München sowie Ausbildung zur Porzellanmalerin
  • 1870 Privatkunstschule für Mädchen
  • 1871 Kunstgewerbeschule bei Theodor Spiess: Ornamentzeichnen, Architektur, Kunstgeschichte, Perspektivlehre
  • 1873-1897 Lehrerin, Aufsichtsdame in der Kunstgewerbeschule

Nach Beendigung der Schule 1847 privater Zeichenunterricht und Unterricht in Haushaltsführung. 1872 Eröffnung der weiblichen Abteilung in der staatlichen Kunstgewerbeschule München, wo sie als erste Frau Aufsichtsdame und Lehrerin wird.

Staatsangehörigkeit bei Geburt: Königreich Bayern

Mitgliedsjahre im Verein für Fraueninteressen
Diese Angaben stammen aus den alten „Mitglieder-Verzeichnissen“ (1896 bis 1916) des Vereins, bei den Personennamen wurde die jeweilige Original-Schreibweise – einschließlich der Tipp- und Lese- bzw. Hörfehler – übernommen. Fehlerhafte Adress-Angaben (z.B. Franz Josefstr. statt Franz Josephstr.) wurden korrigiert und der damals gültigen Schreibweise (im Adressbuch München) angepasst.

Details Details 1896 bis 1914    
Die Adressen stimmen nicht vollständig mit dem Münchner Adressbuch überein. Clementine von Braunmühl lebte ab 1889 in Neuhausen in der Jagdstraße 5 in dem von ihr erbauten Haus. Neuhausen wurde erst 1890 eingemeindet, sie scheint eine Münchner Adresse für sinnvoll erachtet zu haben. Im Adressbuch ist 1900 dann auch Jägerstraße 10 angegeben, d.h. sie scheint wieder in die Stadt gezogen zu sein, nachdem Barbara Wolf bei ihr ausgezogen war. In der Theresienstraße befanden sich auch die ersten Ateliers der Münchner Damenakademie.

Ämter und Mitgliedschaften in anderen Vereinen

  • 1882 Mitbegründerin des Münchner Künstlerinnenvereins
  • 1884 Mitbegründerin der Münchner Damenakademie
  • 1893 Mitbegründerin des Vereins zur Gründung eines Mädchengymnasiums
  • 1896 Vorsitzende des Vereins zur Gründung eines Mädchengymnasiums

Erwähnung in Jahresberichten und andere Zitate

1897: Vortrag auf einem öffentlichen 'Gesellschaftsabend' des Vereins über "Die Frau im Kunstgewerbe". (4. Jb. 1898, S. 8)

1898: Generalversammlung am 21.1.1898. Clementine von Braunmühl beteiligt sich an der Diskussion über den Namen künftiger Ortsgruppen des Vereins. (4. Jb. 1898, S. 8)

Als Vorsitzende des "Vereins zur Gründung eines Mädchengymnasiums" befürwortet  Clementine von Braunmühl den korporativen Beitritt des Vereins fFI zum Gymnasiumsverein (4. Jb. 1898, S.16 f)

Referat auf einem Mitgliederabend: "Die Tochter im Elternhaus" ohne Nennung des Vornamens (5. Jb. 1899, S. 28)

1899: Generalversammlung am 24.1.1899:  Clementine von Braunmühl plädiert für die Beibehaltung der Lehrlingsklasse (5.Jb. 1899, S. 9)

Eintritt in die Lehrlingskommission (5. Jh., S. 10)

Vortrag auf dem 1. bayerischen Frauentag im Oktober 1899 in München: "Der Zweck des Mädchengymnasiums" (6. Jb. 1900, S. 5) 
sowie über "Die heutige Dienstbotenfrage" (ebd., S. 6).

Mitgliederabend: Referat über "Mädchenerziehung" (ebd., S. 30).

Zusammenschluss der Münchner Frauenvereine, die dem Bund deutscher Frauenvereine (BDF), der Dachorganisation der Frauenbewegung, angehören, zu einem "Comité", Vorsitzende: CvB (6. Jb., 1900, S. 4)

1900: Mitglied der Lehrlingskommission (6. Jb. 1900, S. 17)

Vereinsbibliothek: "Das Medizinstudium der Frauen" (ebd., S. 31)

Teilnahme an der Generalversammlung des BDF Ende September 1900 in Dresden. Einbringung eines Antrags (7. Jb. 1901, S. 9)

Mitgliederabende: Referat “Der Fall Behrend”, "Tierschutz" (ebd., S. 27)

1901: Referate auf Mitgliederabenden: "Die elterliche Gewalt" (8. Jb. 1902, S. 25)

1903: Artikel über "Die Ehelosigkeit der Frauen". In: Mitteilungen aus der bayerischen Frauenbewegung, 1. Jg. Nr. 11, 1.4.1903, S. 3 f.
 


Familie

Vater Philipp von Braunmühl Jurist, fürstlich-gräflicher Domänendirektor in Babenhausen 1796 Kettershausen - 1849 Augsburg
  Ignaz Braunmüller, der Großvater von Clementine von Braunmühl wurde geadelt und arbeitete als Fuggerscher Pfleger in Kettershausen. Dort wurde sein Sohn Philipp geboren, der dann von Leopold Fugger zum Domänendirektor in Babenhausen ernannt wurde. Dieses Amt füllte er bis 1843 aus. Nach seiner Erblindung zog er mit der Familie nach Augsburg, wo er 1849/50 starb.
Mutter Franziska von Braunmühl, geb. von Zimmermann Hausfrau 1806 Krumbach - 1873 München
  Nach dem Tod ihres Mannes lebte Franziska von Braunmühl zusammen mit Clementine 1853-55 bei Sohn Hermann, 1855-1861 in Kempten im Allgäu, ab 1861 in München.
Bruder Hermann Johann Baptist von Braunmühl Bergwerksdirektor 1826 Babenhausen - 1902 Engers am Rhein
Bruder Adolf Anselm von Braunmühl 1832 Babenhausen - nicht bekannt
Anmerkung zur Familie: Clementine von Braunmühl hatte außerdem zwei ältere Schwestern, sie war die jüngste. Bruder Hermann studierte das Berg- und Hüttenwesen und arbeitete 1853-56 beim Fürstenbergischen Hüttenwerk Thiergarten/Donau oberhalb von Sigmaringen. Im November 1853 zog Mutter Franziska mit Clementine dorthin. 1856 wechselte er ins Rheinland, zur Bendorfer Eisenhütte Concordia, die von Karl Maximilian Lossen (1793–1861) geleitet wurde. Hermann heiratete dessen Tochter Elisabeth und wurde 1861 Gesellschafter und leitender Direktor. Die ältere Schwester starb nach einer unglücklichen Ehe vor 1848. Die jüngere lebte mit einem dreijährigen Kind 1854 in München.

Familienstand

ledig

Eigene Publikationen


Anmerkungen

Clementine von Braunmühl wuchs erst in Babenhausen, später in Augsburg auf und zog mit der Mutter mehrmals um, bis sie sich 1961 endgültig in München niederließen. Den Bemühungen ihrer Mutter, sie zu verheiraten, verweigerte sie sich. Sie verdiente in München ihr Geld mit Porzellanmalerei, bis sie 1870 die Gelegenheit fand, auf die private Kunstschule für Mädchen zu gehen. Einige der Schülerinnen besuchten nebenher Kurse an der Kunstgewerbeschule bei Theodor Spiess (1846–1920). 

Clementine von Braunmühl gelang es, als erste Frau dort offiziell eingeschrieben zu werden und sie setzte sich dafür ein, die private Kunstschule als weibliche Abteilung an der Kunstgewerbeschule einzugliedern, was auch gelang. Dort wurde sie auf Bitten des Direktors, Hermann Dyck (1812–1874), am 1.8.1872 als Lehrerin für Ornamentzeichnen und kunstgewerbliches Musterzeichnen eingestellt, außerdem als Aufsichtsdame. Das Angebot der Großherzogin von Baden, eine Kunstgewerbeschule für Mädchen zu leiten, lehnte sie ab, weil sie eine Anstellung beim Staat einer Privatanstellung den Vorzug gab. Am 15.7.1891 übernahm sie bis zu ihrer Pensionierung am 16.9.1895 auf eigenen Wunsch den Unterricht in der Methodik des Zeichenunterrichts. 1882 wurde sie Mitbegründerin und erste Vorsitzende des Künstlerinnenvereins, aus dem 1884 die Damenakademie hervorging, deren Unterrichtsinhalte sie mit ausarbeitete. Sie legte allerdings im Oktober 1885 den Vorsitz nieder (und trat offensichtlich ganz aus), da der Direktor der Kunstgewerbeschule, Emil von Lange (1841–1926), eine Unvereinbarkeit mit ihrem Beruf sah. Sie unterrichtete allerdings vom Wintersemester 1885/86 bis Wintersemester 1887/88 Kunstgeschichte. 1893/94 schloss sie sich dem Verein zur Gründung eines Mädchengymnasiums an und übernahm 1896 dessen Vorsitz. 1899 hielt sie auf dem ersten Bayerischen Frauentag einen Vortrag über den Zweck des Mädchengymnasiums. Entgegen der Behauptung von Claudia Schmalhofer, Clementine von Braunmühl habe sich nicht aktiv an der Frauenbewegung beteiligt, kämpfte sie (erfolglos) für ein gleiches Gehalt für Frauen und Männer an der Kunstgewerbeschule. Sie hielt Vorträge und war langjähriges Mitglied im Verein für Fraueninteressen. Ihre Erinnerungen reichen nur bis in das Jahr 1897, als Barbara Wolf bei ihr auszog. Darunter hat sie sehr gelitten. Warum sie ihr von ihr selbst entworfenes Haus in Neuhausen wieder verlassen hat, ist nicht bekannt.


Quellen und Literatur

  • Stadtarchiv München: PMB von Braunmühl, Clementine; Legitimationsbogen, kein Datum;
  • Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewebe-Vereins zu München. 1895, S. 63, online: www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11455410;
    Blicke in die Runde. In: Neue Bahnen. Organ des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins; 1. September 1899, Jg. 34, Heft 17, S. 198 (online verfügbar, falsch transkribiert als "Blicke in die Kunde").
  • Frauenberuf. In: Kölner Frauen-Zeitung; 3. September 1899, Jg. 5, Heft 36, S. 4
  • Beyer, Otto Wilhelm: Deutsche Schulwelt des neunzehnten Jahrhunderts in Wort und Bild. Leipzig/Wien 1903, S. 30 f.
    https://scripta.bbf.dipf.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0111-bbf-spo-17043083
  • Freund, Anna: Festgabe zum Jubiläum des Künstlerinnen-Vereins 1882-1907. München 1907.
  • Häntzschel, Hiltrud / Bußmann, Hadumod (Hrsg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern, München 1997.
  • Meister, Monika: "Ein in seiner Aufgabe bewußtes Geschlecht wird sich der Menschheit anschließen": Clementine von Braunmühl – eine Pionierin der Mädchen und Frauenbildung. 1997. Bayern 2: Sendung Bayern Land und Leute. Manuskript. Bayerische Staatsbibliothek, Signatur: Ana 400.55.h oder Monacensia
  • Meister, Monika: Ab nach München. Der Münchner Künstlerinnen-Verein und seine 'Damen-Akademie'. In: Bauer, Helmut / Tworek/Elisabeth: Schwabing. Kunst und Leben um 1900 (Ausstellungskatalog München Stadtmuseum). Band 2, München 1998, S. 227-237.
  • Specht, Agnete von (Hrsg.): Geschichte der Frauen in Bayern (Ausstellungs-Katalog Ingolstadt). Regensburg 1998, S. 287.
  • Deseyve, Yvette: Der Künstlerinnen-Verein München e.V. und seine Damenakademie. Eine Studie zur Ausbildungssituation von Künstlerinnen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert (= Kunstwissenschaften. Bd. 12). München 2005, S. 11, 14, 42-45, 137, 197
  • Schmalhofer, Claudia: Die Kgl. Kunstgewerbeschule München (1868-1918). Ihr Einfluß auf die Ausbildung der Zeichenlehrerinnen. München 2005, S. 104-106
  • Schmidt-Liebich, Jochen: Lexikon der Künstlerinnen 1700–1900: Deutschland, Österreich, Schweiz, München 2005, S. 64.
  • Spindler, Dieter: Clementine von Braunmühl, in: Beiträge zur Geschichte, Band 2, 2008/2009 (hrsg. Historischer Verein Babenhausen e.V.)
  • Voit, Antonia (Hrsg.): Ab nach München. Künstlerinnen um 1900 (Ausstellungskatalog Stadtmuseum). München 2014, S. 15, 25, 27, 380 f.
  • Schmidt-Thomé, Adelheid: Clementine von Braunmühl. In: dies.: Sozial bis radikal. Politische Münchnerinnen im Porträt, München 2018, S. 49-57
    Dieselbe: CvB, in: Ich war die Erste. Bayerische Pionierinnen im Porträt. München 2022, S. 30 f.

Recherche

Dr. Susanna Partsch


Letzte Änderung

geändert: 28.10.2026

Wir bitten um folgende Zitierweise:
Eintrag: „Clementine Braunmühl“/ID 837, Online-Datenbank „Pionierinnen* der Frauenbewegung in München. Die frühen Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau/des Vereins für Fraueninteressen in München“. Verein für Fraueninteressen e.V. München, geschichte.fraueninteressen.de