Geschichtsatelier Elvira Geschichts-Atelier Elvira
Pionierinnen* der Frauenbewegung in München
Verein für Fraueninteressen e.V.

Regina Ullmann

Persönliche Daten

Name: Ullmann
Vorname: Regina
Rega in den Mitgliederlisten des Vereins für Fraueninteressen; in Briefen auch Regele, Regi
Religion bei Geburt: jüdisch
1911 konvertierte sie zum Katholizismus
Geburtstag: 14.12.1884
Geburtsort: St. Gallen
Todestag: 06.01.1961
Sterbeort: Ebersberg bei München
Ausbildung
Beruf/Erwerb:

Ausbildung:

  • Zunächst Besuch einer privaten Förderschule
  • Anschließend Besuch einer Mädchenrealschule (Abschluss: Mittlere Reife)
  • Unterricht in Metrik
  • Besuch von Literaturkursen in München

Beruf/Erwerb: 

  • Schriftstellerin
  • kurzzeitig nebenbei als Gärtnerin, Imkerin und Wachsmodelherstellerin tätig, um zusätzlich Geld zu verdienen
Staatsangehörigkeit bei Geburt: österreichisch (ihr Vater stammte aus dem Vorarlberg)
ab 1950 schweizerisch

© Privatarchiv Margit Prylinski
Regina Ullmann

Mitgliedsjahre im Verein für Fraueninteressen
Diese Angaben stammen aus den alten „Mitglieder-Verzeichnissen“ (1896 bis 1916) des Vereins, bei den Personennamen wurde die jeweilige Original-Schreibweise – einschließlich der Tipp- und Lese- bzw. Hörfehler – übernommen. Fehlerhafte Adress-Angaben (z.B. Franz Josefstr. statt Franz Josephstr.) wurden korrigiert und der damals gültigen Schreibweise (im Adressbuch München) angepasst.

Details Details 1904 bis 1906/07    
Regina Ullmann war gemeinsam mit ihrer Mutter in diesen Jahren Mitglied des Vereins für Fraueninteressen. Sie wohnten beide in der Oettingen Str. 25/0. Ab den 1910er Jahren war Regina Ullmann eng mit dem Schriftsteller und Vereinsmitglied Rainer Maria Rilke befreundet. Über einen Grund des Austritts ist nichts bekannt, dieser könnte jedoch mit der Geburt der ersten Tochter Gerda zusammenhängen, da sie sich in der Zeit der Schwangerschaft und danach länger in der Steiermark aufhielt.

Ämter und Mitgliedschaften in anderen Vereinen

  • Außerordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München (seit 1949)
  • Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (seit 1955)

© Privatarchiv Margit Prylinski
Regina Ullmann
© gemeinfrei
Camilla, Regina und Gerda Ullmann

Familie

Vater Richard Ullmann Stickerei-Kaufmann 1842 - 1889
Mutter Hedwig Ullmann, geb. Neuburger 1859 - 1938
Schwester Helene Breene, geb. Ullmann Krankenschwester, Leiterin eines Privatsanatoriums in Kalifornien 1883 - unbekannt

Familienstand

ledig

Kinder

Gerda Kahl, geb. Ullmann Gärtnerin, Hausfrau 1906 - 1985
Camilla Ullmann Krankenschwester 1908 - 2000
Gerda Kahls Vater war der Ökonom Hanns Dorn. Camilla Ullmanns Vater war der Psychoanalytiker Otto Gross.

Eigene Publikationen

  • Feldpredigt (1907)
  • Von der Erde des Lebens (1910)
  • Gedichte (1919)
  • Die Landstraße (1921)
  • Die Barockkirche (1925)
  • Vom Brot der Stillen (1932)
  • Der Apfel in der Kirche (1934)
  • Der Engelskranz (1942)
  • Madonna auf Glas (1944)
  • Erinnerungen an Rilke (1945)
  • Schwarze Kerze (1954)
  • Gesammelte Werke, zusammengestellt von Regina Ullmann und Ellen Delp (1960)

Weitere Literatur (Auswahl): 

  • Bürger, Christa: „Ich aber bin die Einsamkeit und lieb' mich selber“, in: Deutschlandfunk (2011), www.deutschlandfunk.de/ich-aber-bin-die-einsamkeit-und-lieb-mich-selber-100.html, Zugriff 17.12.2025.
  • Hasler, Eveline: Stein bedeutet Liebe. Regina Ullmann und Otto Gross, Zürich 2007. 
    Jeschke, Lisa: Regina Ullmann – Dichterin und Erzählerin: „Die Welt in dir / zerbricht nicht mehr“, in: Mon Mag (2021),  https://mon-mag.de/regina-ullmann-dichterin-und-erzaehlerin/, Zugriff 17.12.2025.
  • Linsmayer, Charles:  Regina Ullmann. Traumatische Münchner Erlebnisse, in: Swiss Community (2017),  https://www.swisscommunity.org/de/news-medien/schweizer-revue/artikel/traumatische-muenchner-erlebnisse, Zugriff 17.12.2025.
  • Voswinckel, Ulrike: Ein goldener Griffel. Auf Umwegen zu sich selbst: Regina Ullmann, in: Ziegler, Edda (Hrsg): Der Traum vom Schreiben. Schriftstellerinnen in München. 1860 bis 1960, München 2000, S. 98–117.
     

Quellen und Literatur

Quellen

  • Delp, Ellen: Regina Ullmann. Eine Biographie der Dichterin, Einsiedeln/Zürich/Köln 1960.
  • Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: Regina Ull-mann, in: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (o. D.), www.deutscheakademie.de/de/akademie/mitglieder/regina-ullmann, Zugriff 17.12.2025.
  • Kargl, Kristina: „In das Nichts gewürfelt ist meine ganze Welt“. Ein Porträt der Autorin Regina Ullmann zum 125. Ge-burtstag im Jahr 2009, in: von Bassermann-Jordan, Gabrie-le/Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina (Hrsg.): Frauen der Boheme. 1890–1920. Ausgewählte Beiträge zur Ausstellung „Frei leben!“, München 2022, S. 181–195.
  • Kargl, Kristina: Ullmann, Regina (Rega, Regele, Regeli), in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), www.deutsche-biographie.de/pnd118763520.html, Zugriff 17.12.2025.
  • Verein für Fraueninteressen, Jahresberichte des Vereins für Fraueninteressen 1897-1915/16, Mitgliederverzeichnis, 1904.
  • Verein für Fraueninteressen, Jahresberichte des Vereins für Fraueninteressen 1897-1915/16, Mitgliederverzeichnis, 1905.
  • Verein für Fraueninteressen, Jahresberichte des Vereins für Fraueninteressen 1897-1915/16, Mitgliederverzeichnis, 1906/07.

Anmerkungen

Die Dichterin und Erzählerin Regina Ullmann wurde 1884 in St. Gallen als Tochter von Hedwig und Richard Ullmann geboren. In ihrer Kindheit hatte sie eine Lernschwäche, weshalb sie später eingeschult wurde; zudem lebte sie mit einer Sprachbehinderung.

1902 zog sie mit ihrer Mutter nach München. Trotz großer Introvertiertheit knüpfte sie bald Kontakte innerhalb der Münchener Künstler:innenszene. Von 1904 bis 1906/07 waren Hedwig und Regina Ullmann Mitglieder im Verein für Fraueninteressen.
In den Jahren 1906 und 1908 wurden die Töchter Gerda und Camilla Ullmann geboren, die bei Pflegeeltern aufwuchsen. Regina Ullmann erhielt keine finanzielle Unterstützung durch die Väter der Mädchen. Die Schwangerschaften waren für die junge Frau (und deren Mutter) mit großer Scham verbunden, die Beziehungen zu den Vätern geprägt von Machtungleichgewicht. Zahlreiche erhaltene Briefe aus mehreren Jahrzehnten deuten aber auf eine liebevolle Beziehung zwischen Regina Ullmann und den Töchtern hin.
1907 veröffentlichte sie ihr erstes Werk “Feldpredigt”. In den Anfängen ihrer Karriere wurde sie durch Rainer Maria Rilke gefördert und durch diesen mit seinen Freund:innen, Mäzen:innen sowie im Literaturbetrieb vernetzt. Die Freundschaft hielt bis zu Rilkes Tod 1926.

1911 konvertierte die Dichterin mit jüdischem Background zum Katholizismus, der ihr lebenslang ein sicherer Hafen blieb.
In den 1910er und 1920er Jahren erhielt Regina Ullmann durchaus Anerkennung für ihre Erzählungen und Gedichte und pflegte zudem Freundschaften mit zahlreichen Schriftsteller:innen und Kreativen. Eine lebenslange Freundin fand sie vor allem in der Schauspielerin und Schriftstellerin Ellen Delp.

In diesen Jahren lebten Regina Ullmann und ihre Mutter in Burghausen und Mariabrunn. Depressionen hinderten die Dichterin teilweise längere Zeit am Schreiben. Um Geld dazu zu verdienen, arbeitete sie zeitweise als Gärtnerin, Imkerin und Wachsmodelherstellerin.

Mit Beginn des Nationalsozialismus erfuhr Regina Ullmann bald Diskriminierung. 1935 erhielt sie Publikationsverbot. Gemeinsam mit ihrer pflegebedürftigen Mutter musste sie ins Exil fliehen. Hedwig Ullmann verstarb 1938 in Österreich.

Regina Ullmann gelang die Einreise in die Schweiz, erhielt jedoch nur eine jährlich zu erneuernde Aufenthaltserlaubnis. Erst 1950 wurde sie Schweizer Bürgerin.
Viele Jahre lang konnte sie nur per Brief mit ihren Töchtern und Enkelkindern in Kontakt bleiben; 1947 reiste sie erstmals wieder nach Deutschland und besuchte ihre Familie danach regelmäßig.

Etwa 20 Jahre lang lebte sie in St. Gallen im Marienheim, in einem einfachen Zimmer. Auch in der Schweiz veröffentlichte Regina Ullmann mehrere Werke, ihre Situation war jedoch sehr prekär. Finanzielle Unterstützung erhielt sie von Freund:innen, Mäzen:innen und Stiftungen.

Sie stand weiterhin mit vielen Künstler:innen in Kontakt und erhielt auch diverse Anerkennungen: 1949 wurde sie Außerordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München, 1954 bekam sie den 1. Kulturpreis der Stadt St. Gallen. Gemeinsam mit Ellen Delp stellte sie in den späten 1950er Jahren ihre Gesammelten Werke zusammen, die 1960, kurz vor ihrem Tod, erschienen.

In ihren letzten Lebensjahren wurde die schwer erkrankte Schriftstellerin von Tochter Camilla Ullmann in Eglharting gepflegt. Die Nähe zu Feldkirchen ermöglichte auch zahlreiche Besuche bei Tochter Gerda Kahl und ihrer Familie. Im Januar 1961 verstarb Regina Ullmann in Ebersberg.

Regina Ullmann war eine Schriftstellerin, die mehr als fünf Jahrzehnte lang publizierte, trotz zahlreicher Erschwernisse. Als Frau mit jüdischem Background und Behinderung erlebte sie intersektionale Diskriminierung, und Armut und Unsicherheiten prägten ihr Leben, besonders im Alter. Diese Umstände trugen dazu bei, dass ihre Biografie und ihr religiös geprägtes Werk, in dem sie sich häufig Menschen in Benachteiligung, Armut oder mit Behinderung zuwandte, bis heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind.

Ihr umfangreicher Nachlass befindet sich zu einem großen Teil im Literaturarchiv Monacensia in München sowie in der Kantonsbibliothek Vadiana in St.Gallen.


Recherche

Elena Zendler


Letzte Änderung

geändert: 14.01.2026

Wir bitten um folgende Zitierweise:
Eintrag: „Regina Ullmann“/ID 168, Online-Datenbank „Pionierinnen* der Frauenbewegung in München. Die frühen Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau/des Vereins für Fraueninteressen in München“. Verein für Fraueninteressen e.V. München, geschichte.fraueninteressen.de