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Regina Ullmann: Vergessene Schriftstellerin

Regina Ullmann war zwischen 1904 und 1906/07 gemeinsam mit ihrer Mutter Mitglied im Verein für Fraueninteressen. In ihrer Kindheit mit einer Sprachbehinderung und einer Lernschwäche aufwachsend, wurde sie im München der Jahrhundertwende bald als Schriftstellerin geschätzt und knüpfte zahlreiche Kontakte, unter anderem mit Rainer Maria Rilke, der ebenfalls Vereinsmitglied war. Wegen ihres jüdischen Hintergrunds ging sie 1936 ins Exil.

Die Dichterin und Erzählerin Regina Ullmann wurde 1884 in St. Gallen als Tochter von Hedwig und Richard Ullmann geboren. 1902 zog sie mit ihrer Mutter nach München. Trotz großer Introvertiertheit knüpfte sie bald Kontakte innerhalb der Münchener Künstler:innenszene. Von 1904 bis 1906/07 waren Hedwig und Regina Ullmann Mitglieder im Verein für Fraueninteressen.
In den Jahren 1906 und 1908 wurden die Töchter Gerda und Camilla Ullmann geboren, die bei Pflegeeltern aufwuchsen. Regina Ullmann erhielt keine finanzielle Unterstützung durch die Väter der Mädchen. Die Schwangerschaften waren für die junge Frau (und deren Mutter) mit großer Scham verbunden, die Beziehungen zu den Vätern geprägt von Machtungleichgewicht. Zahlreiche erhaltene Briefe aus mehreren Jahrzehnten deuten aber auf eine liebevolle Beziehung zwischen Regina Ullmann und den Töchtern hin.

1907 veröffentlichte sie ihr erstes Werk “Feldpredigt”. In den Anfängen ihrer Karriere wurde sie durch Rainer Maria Rilke gefördert und durch diesen mit seinen Freund:innen, Mäzen:innen sowie im Literaturbetrieb vernetzt. Die Freundschaft hielt bis zu Rilkes Tod 1926.

Konversion zum Katholizismus

1911 konvertierte die Dichterin mit jüdischem Background zum Katholizismus, der ihr lebenslang ein sicherer Hafen blieb.
In den 1910er und 1920er Jahren erhielt Regina Ullmann durchaus Anerkennung für ihre Erzählungen und Gedichte und pflegte zudem Freundschaften mit zahlreichen Schriftsteller:innen und Kreativen. Eine lebenslange Freundin fand sie vor allem in der Schauspielerin und Schriftstellerin Ellen Delp.

In diesen Jahren lebten Regina Ullmann und ihre Mutter in Burghausen und Mariabrunn. Depressionen hinderten die Dichterin teilweise längere Zeit am Schreiben. Um Geld dazu zu verdienen, arbeitete sie zeitweise als Gärtnerin, Imkerin und Wachsmodelherstellerin.

Diskriminierung und Exil 

Mit Beginn des Nationalsozialismus erfuhr Regina Ullmann bald Diskriminierung. 1935 erhielt sie Publikationsverbot. Gemeinsam mit ihrer pflegebedürftigen Mutter musste sie ins Exil fliehen. Hedwig Ullmann verstarb 1938 in Österreich.

Regina Ullmann gelang die Einreise in die Schweiz, erhielt jedoch nur eine jährlich zu erneuernde Aufenthaltserlaubnis. Erst 1950 wurde sie Schweizer Bürgerin.
Viele Jahre lang konnte sie nur per Brief mit ihren Töchtern und Enkelkindern in Kontakt bleiben; 1947 reiste sie erstmals wieder nach Deutschland und besuchte ihre Familie danach regelmäßig.

Verarmung im Alter

Etwa 20 Jahre lang lebte sie in St. Gallen im Marienheim, in einem einfachen Zimmer. Auch in der Schweiz veröffentlichte Regina Ullmann mehrere Werke, ihre Situation war jedoch sehr prekär. Finanzielle Unterstützung erhielt sie von Freund:innen, Mäzen:innen und Stiftungen.

Sie stand weiterhin mit vielen Künstler:innen in Kontakt und erhielt auch diverse Anerkennungen: 1949 wurde sie Außerordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München, 1954 bekam sie den 1. Kulturpreis der Stadt St. Gallen. Gemeinsam mit Ellen Delp stellte sie in den späten 1950er Jahren ihre Gesammelten Werke zusammen, die 1960, kurz vor ihrem Tod, erschienen.

In ihren letzten Lebensjahren wurde die schwer erkrankte Schriftstellerin von Tochter Camilla Ullmann in Eglharting gepflegt. Die Nähe zu Feldkirchen ermöglichte auch zahlreiche Besuche bei Tochter Gerda Kahl und ihrer Familie. Im Januar 1961 verstarb Regina Ullmann in Ebersberg.

Regina Ullmann war eine Schriftstellerin, die mehr als fünf Jahrzehnte lang publizierte, trotz zahlreicher Erschwernisse. Als Frau mit jüdischem Background und Behinderung erlebte sie intersektionale Diskriminierung, und Armut und Unsicherheiten prägten ihr Leben, besonders im Alter. Diese Umstände trugen dazu bei, dass ihre Biografie und ihr religiös geprägtes Werk, in dem sie sich häufig Menschen in Benachteiligung, Armut oder mit Behinderung zuwandte, bis heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind.

Ihr umfangreicher Nachlass befindet sich zu einem großen Teil im Literaturarchiv Monacensia in München sowie in der Kantonsbibliothek Vadiana in St.Gallen.

Autorin: Elena Zendler

Mehr zur Regina Ullmann in Elena Zendlers Beitrag in der Datenbank zur den historischen Mitgliedern des Vereins für Fraueninteressen. 

Am 18. Jannuar 2026 hält Elena Zendler, Mitglied im Geschichts-Atelier Elvira, den Vortrag “Prekäre Lebensrealitäten einer Schriftstellerin: Regine Ullmanns späte Jahre” in den Räumen des Vereins für Fraueninteressen (nur für Vereinsmitglieder). 

Regina Ullmann, etwa 70-jährig © Münchner Stadtbibliothek/Monacensia

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